Saigon - Mekong Delta - Saigon - Cu Chi Tunnel (alles Süd-Vietnam)

Wieder zuhause. 20 Grad Temperaturunterschied erweisen sich als gefühlte 50 Grad, da der Wind dazu kommt. Meine Herrn, ist Deutschland kalt. Aber ruhig. Keine tausende von Motorrollern, die bei Tag und Nacht hupend durch die Gegend fahren. Bei einer solchen Ruhe ist an einen gesunden Schlaf ja kaum zu denken.

Den letzten Bericht habe ich im Bus von Mui Ne nach Saigon geschrieben. Dort sind wir dann auch tatsächlich angekommen, obwohl man das dem Bus von außen betrachtet und aufgrund der Geräusche im Innern kaum zugetraut hätte. Die Fahrt alleine von den Außenbezirken Saigons ins Zentrum dauerte zwei Stunden, da der Verkehr alles hoffnungslos lahmlegt. Allerdings ist Saigon, bzw. Ho Chi Minh Stadt, wie die Stadt seit Ende des Vietnamkriegs heißt, auch kein kleines Örtchen. Mit ihren 9 Millionen Einwohnern steckt sie die Hauptstadt Hanoi locker in die Tasche. Autos, Busse und LKWs sind an Anzahl, Geräusch und Geruch noch mehr eine Belastung, als das schon in Hanoi der Fall ist. Trotzdem haben die Motorroller weiterhin die Nase vorn und es scheint, als hätte jeder Bürger Saigons mindestens eines dieser Gefährte im Wohnzimmer stehen. Garagen gibt es hier nicht.

Saigon Verkehr Vietnam

100 bis 150 Verkehrstote gibt es alleine in Saigon, und das jeden Monat. Immerhin ist mittlerweile die Helmpflicht eingeführt, aber bei Helmen zum Preis von 50.000 Dong (das sind ca. 2 Euro) kann man sich gut vorstellen, welche Qualität dieser "Sonnenhut" hat.

In Saigon haben wir an einem Tag die gängigen Museen besucht. Sehr interessant ist der Wiedervereinigungspalast, der unverändert seit den 70er Jahren seine "Schönheit" zeigt und auch heute noch für repräsentative Empfänge ausländischer Staatsoberhäupter herhalten darf.

Saigon Rathaus Vietnam

Das am meisten fotografierte Gebäude in Saigon ist aber immer noch das Rathaus, mit Onkel Ho im Vordergrund, wie Ho Chi Minh liebevoll von seinen Landsleuten genannt wird.

Am schockierensten ist das Kriegsmuseum, in dem der Vietnamkrieg auf sehr anschauliche Weise dargestellt wird. Erschreckend ist, dass auch heute noch Kinder mit massiven Mißbildungen, verursacht durch das Gift Agent Orange, das von den Amerikanern zum Entlauben der Wälder eingesetzt wurde, auf die Welt kommen. Und Todesfälle bzw. sehr schlimme Verletzungen durch Landminen, die sich immer noch in den Böden befinden, geschehen auch immer noch.

Als unsere Freunde Judy und Neil eintreffen, machen wir uns mit ihnen auf den Weg ins Mekong Delta. Wir fahren im Überlandbus der Einheimischen, zu einem Spottpreis, und oh Wunder, der Bus ist deutlich moderner und weitaus besser, als es alle Touristenbusse vorher waren. In Can Tho, der "Hauptstadt" des Mekong Deltas, buchen wir ein Boot für den nächsten Morgen, das uns zu den schwimmenden Märkten bringen wird.

Mekong Delta schwimmende Maerkte Vietnam

Sie bringt ihre Waren noch rudernderweise zu den schwimmenden Märkten. Geladen hat sie Ananas und Kokosnüsse.

Mekong Delta Vietnam

Die schwimmenden Märkte sind eine sehr bunte Angelegenheit. Aber die Wichtigkeit der Märkte hat leider abgenommen, seitdem immer mehr Brücken gebaut werden und so die Waren auch abseits des Wassers ihre Abnehmer finden.

Zum Übernachten haben wir, wie schon in Sapa bei der Trekkingtour im Norden Vietnams, Homestay gebucht, d.h. wir übernachten bei einer Familie. Direkt bei der Familie ist es dieses Mal nicht, aber es ist trotzdem sehr schön. Kleine Bambusbungalows stehen direkt an einem kleinen Nebenfluss des Mekongs. Die Bungalows sind immer für zwei Personen und haben sogar ein kleines Badezimmer. Das Dorf besteht aus mehreren kleinen und größeren Häusern, direkt am Fluss, mit einer nicht geteerten Dorfstraße mitten durch. Das Leben ist sehr ursprünglich, unsere Gastfamilie ist die einzige Familie im Ort mit einem funktionierenden Kühlschrank. Fernsehgeräte gibt es dagegen in der ärmsten Hütte.

Mekong Homestay VietnamMekong Homestay Vietnam

Mekong Delta Kinder Vietnam

Zu guter Letzt statten wir den Cu-Chi-Tunneln, ca. 50 km weg von Saigon, noch einen Besuch ab. Die Tunnel wurden während des Vietnamkriegs von den Vietcong als Unterschlupf und Versteck vor den Amerikanern gebaut und genutzt. Heute sind sie für die westlichen Besucher zugänglich gemacht und angeblich auch etwas verbreitert und erhöht worden, zumindest auf den 100 Metern, die wir begehen können. Ein ehemaliger Kriegsgeneral, der auf der Seite der Südvietnamesen und damit der Amerikaner gekämpft hat, führt uns durch die Anlage. Welch ein Hohn muss das für ihn sein, die Anlagen seiner damaligen Gegner zu präsentieren.

Cu Chi Tunnel VietnamCu Chi Tunnel Vietnam

Ein Vietnamese demonstriert, wie der Einstieg ins Tunnelsystem klappte, ohne dass der Gegner überhaupt wissen konnte, wo der Einstieg ist.

Cu Chi Tunnel Vietnam Beaet Steger

Mit meiner Größe von 1,76m war es kein Leichtes, die 100 Tunnelmeter zu überwinden. Und kuschelig warm war es da unten auch noch. Als Vietcong wäre ich also völlig ungeeignet gewesen.

Nach fast vier Wochen war dann die Zeit um und der Rückflug nach Frankfurt stand an. Leider mit etwas Verspätung, aber dafür ruhig und gemütlich, kamen wir Donnerstag morgen um 7.30 Uhr in Frankfurt an. Vietnam ist sechs Stunden vor unserer Zeit, d.h. wir genießen es im Moment, morgens früh aufzustehen und abends nicht allzu spät müde zu werden.

Die 4.500 Bilder und vielen Filme wollen jetzt gesichtet, kategorisiert und in eine neue Show integriert werden. Ich weiß also, was ich die nächste Zeit zu tun habe. Und immer wieder denke ich zurück, wie es jetzt - einfach immer, ohne Stillstand - in Vietnam wuselt und gearbeitet und gemacht wird. Dieses freundliche Volk kennt keine Pausen und arbeitet einfach unermüdlich. Ihr Netzwerk, für uns nicht durchschaubar, funktioniert auf eine besondere Weise, alles fügt sich wie ein Rädchen ins nächste. Faszinierend. In meinem neuen Vortrag "Vietnam - Ein Land erwacht" werde ich versuchen, dieses einzigartige Land mit seinen freundlichen Menschen angemessen zu würdigen und zu präsentieren.